Der Liliensattel ist einer der schönsten Rastpunkte am Tatra-Hauptkamm — ein weites, grasiges Joch auf 1952 m Höhe, das genau auf der polnisch-slowakischen Grenze liegt und die geologische Trennlinie zwischen der Hohen und der Westlichen Tatra markiert. Weit, offen und einladend — ganz anders als die zerklüfteten Grate ringsum.
Vom Pass schweift der Blick über das Gąsienicowa-Tal auf der polnischen Seite und hinunter ins slowakische Tichá-Tal. Die sanfte Topographie macht den Liliensattel zur idealen Verschnaufpause auf langen Kamm-Touren. Im Sommer blühen in den Mulden rund um den Sattel üppige Polster aus Eisenhut, Rosenwurz und Alpenmutterwurz, im August leuchtet die Wiese in vollen Farben. Frühling und Herbst bringen stille Einsamkeit, im Winter dagegen sind die Rinnen auf der slowakischen Seite wegen Lawinengefahr unbedingt zu meiden. Der rote Hauptkammweg führt direkt über den Sattel — Wandergesellschaft ist also fast immer garantiert.
Wie man den Aussichtspunkt erreichtDer Name 'Liliowe' leitet sich vom lokalen Wort 'leluja' ab — so nannten die Hirten die Trollblume oder die Zwergprimel, die den Sattel einst in zartem Violett einfärbten. Der polnische Dichter Kazimierz Tetmajer schwärmte von diesem Ort und beschrieb das Tal tief unten als 'wunderbaren goldenen Traum' — wer bei klarem Wetter hier steht, versteht ihn sofort.