Die Krakauer Schlucht gilt als die schönste Felsschlucht der polnischen Westtatern — ein dramatischer Kalksteincanyon mit nahezu senkrechten Wänden, über 120 Höhlen und einer Atmosphäre, die sich schwer in Worte fassen lässt. Wer das Kościeliska-Tal besucht, sollte diesen Abstecher keinesfalls auslassen.
Der Eingang zur Schlucht liegt auf etwa 1.040 m ü. M., kurz oberhalb der Lichtung Polana Pisana im Kościeliska-Tal. Der für Touristen zugängliche Abschnitt ist der Rest eines alten Höhlengangs, dessen Decke eingestürzt ist — daher die überhängenden oder senkrechten Wände und der steinige Boden. Die Schlucht ist meist trocken, da das Wasser durch eine Karstquelle unter der Skała Pisana abfließt; nach starken Regenfällen kann jedoch ein Bach entstehen. Im Frühling hält sich hier lange Schnee, im Sommer sorgen die hohen Wände für angenehme Kühle, und im Herbst hüllt sich die Schlucht in eine geheimnisvolle Stimmung. Nach etwa 100 Metern führt eine Eisenleiter eine fast senkrechte Felswand hinauf zum Eingang der Smocza Jama ('Drachenhöhle') — einem kurzen Höhlentunnel, durch den der markierte Weg führt. Beim Heraustreten sieht man durch die Bäume die Felstürme Saturn und Ratusz (Rathaus). Der Name der Schlucht hat eine charmante Herkunft: Hirten, die gelegentlich in die Stadt Kraków zogen, verglichen die engen Felswände mit den schmalen Gassen der Krakauer Altstadt — so entstand eine ganze Mikrogeographie aus Rynek (Marktplatz), Ratusz, Baszta (Turm) und natürlich Smocza Jama.
AnreiseBotanische Raritäten runden den Reiz ab: Hier wächst eine von nur zwei bekannten Tatra-Fundstellen der Europäischen Silberkerze (Actaea europaea), dazu weitere seltene Arten wie die kleinblütige Orchidee und die Karpatische Tragant. Bären und Wölfe streifen gelegentlich durch die umliegenden Felsen — ein echter Wildnis-Moment mitten in den Tatren.
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