Das Kerbchen (slowakisch: Prielom, polnisch: Rohatka, 2293 m) ist einer der bedeutendsten Übergänge im Hauptkamm der Hohen Tatra — eine schmale, tiefe Scharte zwischen dem Gipfel Malá Vysoká und der Divá veža, die Wanderer seit über 160 Jahren nutzen. Es ist der bequemste Übergang zwischen dem Großen Kohlbachtal (Veľká Studená dolina) im Osten und dem Weißwassertal (Bielovodská dolina) im Westen.
Der Pass hat einen wilden, alpinen Charakter. Steile Felswände ragen auf beiden Seiten auf, und die Scharte selbst ist so eng, dass sie selbst erfahrene Bergwanderer beeindruckt. Im Frühling und Frühsommer halten sich Schneereste in schattigen Nischen, im Herbst leuchtet der Grat in intensiven Farben, und im Winter verwandelt sich der Übergang in eine ernste Herausforderung — Eis kann aus einem mäßig schwierigen Weg einen gefährlichen Aufstieg machen. Das Gelände besteht aus charakteristischem Mylonit, der den Felsen eine auffällig gestreifte Textur verleiht.
Aufstieg zum KerbchenDie erste bekannte touristische Begehung fand 1864 statt, als Karl Kalchbrenner mit Begleitern und Führern den Pass überquerte — und damit eine der klassischen Routen der Hohen Tatra begründete.