Die MÁV-Baureihe 377 war das Arbeitspferd der ungarischen Eisenbahnen — eine der am weitesten verbreiteten Tenderlokomotiven überhaupt, die jahrzehntelang auf Nebenstrecken, Privat- und Industriebahnen in ganz Ungarn im Einsatz war. Mehrere Hundert Exemplare wurden gebaut, und erstaunlicherweise fuhren manche noch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg in der Industrie.
Für Eisenbahnfans und Technikgeschichte-Liebhaber ist die Begegnung mit einer dieser Loks wie eine Zeitreise ins späte 19. Jahrhundert. Zwar orientierte man sich am österreichischen Typ kkStB 97, doch jedes Detail der 377er wurde vollständig nach ungarischen Plänen in der MÁV-Maschinenfabrik entwickelt. Der Außenrahmen im Stil der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik verleiht ihr eine markante, leicht archaische Silhouette, die dennoch unverkennbar ungarischen Charakter trägt. Über die Jahre zogen diese Loks Güter- und Personenzüge auf Nebenstrecken und wurden später zu beliebten Rangierloks in Bahnhöfen und zahlreichen Industriebetrieben.
Praktische InformationenEin spannendes Detail: Im Ersten Weltkrieg wurden dreizehn dieser Loks gepanzert und trieben ungarische Panzerzüge an — ihre einfache Bauweise und das Fehlen einer Druckluftbremse machten sie im Gefecht erstaunlich widerstandsfähig.