Der Shpytsi (1.863 m) ist einer der markantesten und zugleich ruhigsten Gipfel der ukrainischen Karpaten — ein Berg, der nicht mit einem belebten Gipfelpanorama beeindruckt, sondern mit etwas weit Selteneren: spektakulären Felswänden, die seine Osthänge wie ein natürliches Bollwerk umgeben. Wer in der Tschornohora-Gruppe abseits der ausgetretenen Pfade etwas Besonderes sucht, ist hier genau richtig.
Die Osthänge des Shpytsi sind von bis zu 15 Reihen mächtiger Sandsteinfelsen gesäumt, jede 20–50 Meter hoch, aus oligozänem Magura-Sandstein geformt und durch die Quartärvereisung der Karpaten entstanden — der Name des Berges leitet sich direkt von diesen 'Spitzen' ab. An den Südhängen öffnet sich das Gletscherkar Hadzhyna, ein gewaltiges Felsrund, das von den Steilwänden des Shpytsi und des Nachbargipfels Rebra eingerahmt wird. Touristen verirren sich kaum hierher; im Sommer weiden auf den Matten der Umgebung Schafe, Pferde und Kühe aus dem nahen Dorf Bystretsia. Den Berg bedecken alpine Matten mit Heidelbeeren und Preiselbeeren sowie seltene Pflanzen wie das Alpen-Edelweiß, das Moosglöckchen und die geschützte Karpaten-Troddelblume.
AufstiegsmöglichkeitenDer lokalen Überlieferung nach soll Oleksa Dovbush — der legendäre karpatische Räuberhauptmann und Beschützer der Armen — im Kar Hadzhyna begraben liegen. Der erste Wegweiser zum Shpytsi wurde bereits 1884 aufgestellt, was diesem stillen, wenig besuchten Gipfel eine überraschend reiche Geschichte verleiht.