Schloss Hoheneck in Stollberg im Erzgebirge ist kein gewöhnliches Ausflugsziel — es ist ein Ort, der tief in die jüngste deutsche Geschichte blicken lässt. Über 130 Jahre lang diente der Komplex als Gefängnis, zuletzt als zentrales Frauengefängnis der DDR. Seit 2024 ist er eine offizielle Gedenkstätte und damit endlich ein Ort des würdigen Erinnerns.
Das mächtige vierflügelige Gebäude thront auf einem Hügel über der Innenstadt von Stollberg und ist von den sanften Kammlagen des Erzgebirges umgeben. Der Kontrast zwischen der nüchternen Gefängnisarchitektur und der ruhigen Mittelgebirgslandschaft ist das ganze Jahr über spürbar — im Herbst von golden leuchtenden Hängen umrahmt, im Winter in stiller Grauheit, im Sommer von Sonnenlicht übergossen, das die Last der Geschichte nicht mindert.
Rund 24.000 Frauen waren hier inhaftiert, etwa 8.000 von ihnen aus politischen Gründen. Der Begriff 'Hoheneckerinnen' wurde zum Synonym für politisch verfolgte Frauen in der DDR. Am 11. Juli 2024 eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gedenkstätte im Zellentrakt des Westflügels — ein längst überfälliges Zeichen der Anerkennung für die Opfer.
AnreiseBesonders erschütternd: Noch 1987 wurden Häftlinge — darunter politische Gefangene — zur Produktion von Strumpfhosen gezwungen, die für je 69 Pfennig an westliche Einzelhändler verkauft wurden. Diese Geschichte ist heute Teil der Dauerausstellung.