Wysoka Turnia ist einer jener wilden Felsgrate der Westtatra, die nicht auf jeder Touristenroute stehen — aber genau deshalb ein echter Geheimtipp für alle sind, die das ursprüngliche, raue Gesicht des Kościeliska-Tals suchen. Sie bildet den felsigen Abschluss eines Grates, der von der Upłaziańska Kopa an den Osthängen des Tals herabzieht.
Die Landschaft rundherum ist beeindruckend: Der Grat fällt über Wysokie Siodło, den Gipfel selbst, Niskie Siodło und Niska Turnia hinab bis zur Kraków-Schlucht und trennt dabei zwei Gletscherkessel — Zadnie und Przednie Kamienne. Im mittleren Gipfelbereich liegt eine schmale, tief eingeschnittene Scharte namens Wysoka Szczerbina, von der aus ein rund 150 m langer, zerklüfteter Grat in zwei Richtungen abfällt. Die Westwand, die zum Przednie Kamienne abfällt, ist mit etwa 80 m der steilste Teil der ganzen Formation. Im Frühling und Sommer verwandeln sich die Felsspalten und grasbewachsenen Bänder in blühende Gärten typischer Tatra-Flora — ein Genuss für Naturfreunde ebenso wie für Kletterer.
Wie man den Gipfel erreichtDie Rinnenroute wurde wahrscheinlich erstmals 1994 von Władysław Cywiński durchstiegen, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass schon früher Schatzsucher oder Hirten hier unterwegs waren — Belege dafür fehlen allerdings.