Die Leitenkoppe (2252 m ü.d.M.) ist einer jener Gipfel in der Hohen Tatra, die Kletterern weit vertrauter sind als Wanderern — und genau das macht ihren besonderen Reiz aus. Offiziell zum Massiv der Niżnie Rysy gezählt, gilt sie unter Bergsteigern längst als eigenständiger Gipfel mit eigenem Charakter.
Der Gipfel liegt unmittelbar auf der polnisch-slowakischen Grenze und trägt einen fast waagerechten, schmalen Grat von rund 80 Metern Länge. Nach Osten fällt er mit einer etwa 120 m hohen Wand ins Spadowa-Tal ab, nach Westen hingegen stürzt ein imposanter Pfeiler fast 500 Meter in den Czarnostawiański Kessel hinunter. Genau diese Westseite — von Kletterern 'Czołówka' (Frontwand) genannt — ist zur eigentlichen Attraktion geworden. Wie der bekannte Tatra-Autor Władysław Cywiński schreibt, kommen Bergsteiger hierher, ohne überhaupt an eine Besteigung der Niżnie Rysy zu denken. Die Wände der Leitenkoppe sind zwar niedriger als die der Nachbargipfel, aber technisch anspruchsvoller. Im Winter und Frühfrühling machen Eis und Schnee die Routen zu einer echten alpinen Herausforderung.
KletterroutenDie erste dokumentierte Besteigung der Leitenkoppe gelang Stanisław Porębski am 13. August 1909 — ein Datum, das den Beginn der langen Klettergeschichte dieses Gipfels markiert.