Der Untere Liptauer Wachturm (2055 m ü.d.M.), auf Polnisch Niżni Kostur, ist einer jener Gipfel der Hohen Tatra, die sich ihre ursprüngliche Wildheit bewahrt haben — er liegt im Hauptkamm innerhalb der Liptauer Mauern (Liptowskie Mury) und ist offiziell für den allgemeinen Tourismus gesperrt.
Der Gipfel befindet sich genau auf der polnisch-slowakischen Grenze und markiert einen Richtungswechsel des Hauptkamms — von Ost (kommend von der Kotelnica) nach Südost (in Richtung Szpiglasowy Wierch). Auf der slowakischen Seite fallen die Hänge grasig und vergleichsweise sanft ins Ciemnosmreczyńska-Tal ab. Auf der polnischen Seite zieht ein langer, markanter Rücken hinab in Richtung Czarny Staw (Schwarzer See) und trennt die Szpiglasowa Kotlinka von der Senke unterhalb des Czarna Ławka-Passes. Die linken Hänge dieses Rückens sind sanft und grasig-geröllbedeckt, die rechten fallen in steilen Felswänden ab. Im Winter verwandelt sich das gesamte Gebiet in anspruchsvolles alpines Gelände — die erste dokumentierte Winterbesteigung fand erst im April 1925 statt.
Der Gipfel wird durch zwei Scharten begrenzt: die Czarna Ławka trennt ihn von der Czarna Kotelnica, und die Niżnia Liptowska Ławka (ca. 2035 m) trennt ihn vom Oberen Liptauer Wachturm (Wyżni Kostur).
AufstiegsmöglichkeitenAn den Felsen des Unteren Liptauer Wachturms wächst der Zurückgekrümmte Steinbrech (Saxifraga retusa) — eine außergewöhnlich seltene Pflanze, die in Polen nur an wenigen Standorten in der Tatra vorkommt. Ein stilles botanisches Juwel dieser wilden, kaum begangenen Gratlandschaft.