Die Bula pod Rysami (2.055 m ü.d.M.) überrascht jeden, der zum ersten Mal hierher kommt — statt eines spitzen Gipfels erwartet den Besucher ein breites, flaches Felsplateau, das majestätisch über dem Kar Kocioł pod Rysami thront und den Blick direkt auf die Wände der Rysy freigibt. Ein natürlicher Zwischenstopp auf dem Weg zum höchsten Gipfel Polens, der aber durchaus seinen eigenen Charakter besitzt.
Das Plateau bildet die nördliche Begrenzung des Kars und teilt es in zwei hydrologisch eigenständige Bereiche: den westlichen, der durch die Rinne Żleb pod Rysami entwässert wird, und den östlichen, den der steile Żleb Orłowskiego ableitet. Von der Terrasse aus bietet sich ein unverstellter Blick auf die umgebenden Felsrippen und Rinnen. Im Sommer ist das Plateau ein belebter Durchgangsort für Wanderer auf dem Weg zur Rysy; im Frühjahr und Herbst gehört es den Bergsteigern, die sich an den anspruchsvollen Routen der Nordwand versuchen. Ein rauer, echter Alpencharakter — der Wind ist hier fast immer zu spüren.
Anfahrt und AufstiegLange Zeit wurde die Bula pod Rysami in der Literatur fälschlicherweise dem Niżnie-Rysy-Massiv zugeordnet; erst eine genaue hydrologische Analyse bewies ihre Zugehörigkeit zum Rysy-Massiv. Zudem wurde die spektakuläre Rinne Dziewiczy Żleb an der Nordwand trotz langer Bekanntheit erst im März 2002 vollständig durchstiegen.